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Bernhard Grzimek - Ein Leben für die Tiere

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In Deutschland war er über Jahrzehnte der Tierprofessor aus dem Fernsehen.

Sein Leben gleicht einem Abenteuerroman. Schon als Jugendlicher erforscht er das Verhalten der Tiere. Später wird er Veterinär und Direktor des Frankfurter Zoos.

Sein ganzes Leben widmet er dem Schutz bedrohter Tiere. Er prägt die Entwicklung heute weltbekannter Nationalparks und trägt wie kaum ein Zweiter zur Erhaltung der Wildnisgebiete unserer Erde bei.

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Im Juli 1945, der zweite Weltkrieg ist in Deutschland gerade erst zu Ende, gelingt Bernhard Grzimek etwas scheinbar Unmögliches: Ohne Erlaubnis der amerikanischen Militärverwaltung eröffnet er den weitgehend zerstörten Zoo in Frankfurt am Main und sichert damit das Überleben der verbliebenen Tiere.

Der Zoo wird schnell zur Bühne, nicht nur für exotische Tiere, sondern auch für Künstler, Schausteller und Tänzer. In nur wenigen Monaten avanciert der Tiergarten zum gesellschaftlichen Treffpunkt der ganzen Region.   

Schon früh beginnt Sohn Michael Grzimek das Leben im Zoo mit der Kamera zu dokumentieren.

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"Ein Tag im Frankfurter Zoo" entsteht als Stummfilm. Der Film zeigt einzelne Tierszenen und wird als Lehrfilm in Schulen in Hessen und Bayern gezeigt.

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In den ersten Jahren ist Grzimek damit beschäftigt, den am Boden liegenden Zoo wiederaufzubauen. Viele der Baumaßnahmen sind nur mithilfe von Spenden möglich.

Es ist also naheliegend, dem Kreis von Freunden des Zoos, eine juristische Form zu geben. Im Februar 1950 wird daher die "Gesellschaft der Freunde und Förderer des Zoologischen Gartens e. V." gegründet.

Später wird sie in "Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858"  umbenannt - oder kurz ZGF.

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Früh interessiert sich Grzimek für das Verhalten der Tiere. Schon als Kind züchtet er Hühner und macht sich als Experte in Deutschland einen Namen. Als Privatmann, Zoodirektor und auf seinen Reisen: Er wird immer Tiere studieren.

Einige seiner Überzeugungen und Forschungen führen zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, andere verbessern die Haltungsbedingungen von Zootieren.

Manche seiner Experimente, wie hier auf dem Bild, entspringen Grzimeks bubenhafter Neugier und lassen sich gut für ein breites Publikum vermarkten.

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Einer der ersten Tonfilme der Grzimeks. Neben den Tieraufnahmen zeigt der Film auch Ausschnitte von Grzimeks Verhaltensforschung an den Tieren im Frankfurter Zoo.

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Damit der Frankfurter Zoo erfolgreich bleibt, ist Grzimek immer auf der Suche nach neuen Tierarten.

Dafür reist er mit seinem Sohn Michael 1951 zum ersten Mal nach Afrika. Sie wollen die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung studieren und den Kontinent erkunden. Mit ihren Erkentnissen wollen sie die Haltungsbedingungen im Frankfurter Zoo verbessern.

Aus den Filmaufzeichnungen ihrer Reisen entstehen erste Expeditions- und Dokumentarfilme. Darunter der Film "Savannenerlebnis", der Afrikas Wildtiere aus nächster Nähe zeigt.

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Dokumentaraufnahmen aus einem geschützten Gebiet in Belgisch-Kongo zwischen Semliki-Fluss und Ruwenzori-Gebirge.

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Fachbücher, Enzyklopädien, Jugendbücher und Magazinbeiträge - Bernhard Grzimek ist ein disziplinierter Autor. Bereits mit 16 Jahren schreibt er erste Fachartikel über die Hühnerzucht.

1960 erscheint die erste Ausgabe der Zeitschrift „Das Tier“. Das Monatsmagazin ist eines der ersten, das Natur- und Artenschutz thematisiert. Grzimek ist nicht nur Autor, sondern auch Mitherausgeber. 

Grzimek hat eine Botschaft und erkennt früh, wie er viele Menschen erreichen kann.

Grzimeks umfassendstes wissenschaftliches Werk erscheint 1967. Eine dreizehnbändige Tierenzyklopädie. Sie gilt bis heute als eines der umfangreichsten gedruckten Tierlexika.

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Mit der Zeit entsteht bei Familie Grzimek ein umfangreiches Fotoarchiv, das Bernhard Grzimek in erster Linie zur Bebilderung seiner Bücher und Magazinbeiträge nutzt.

Zu den Fotografien kommt schon früh eine Sammlung exotischer Filmaufnahmen. 1954 gründen die Grzimeks daher eine Film- und Produktionsgesellschaft für Dokumentarfilme - die Okapia KG mit Sitz in Frankfurt am Main.

Seit 1984 wird sie von Christian Grzimek, Michaels Sohn, geleitet.

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Da das Fernsehen Mitte der 1950er Jahre noch nicht so verbreitet ist, beschließt Bernhard Grzimek gemeinsam mit seinem Sohn Michael einen Kinofilm zu produzieren.

Ein Jahr zuvor erscheint sein Buch "Kein Platz für wilde Tiere". Darin beschreibt er seine Sorge, dass die Lebensräume der wilden Tiere durch das rasante Bevölkerungswachstum bedroht sind. 

Gemeinsam mit dem Kameramann Herbert Lander und Michaels Schulfreund Hermann Gimbel starten die Grzimeks 1955 zu einer Filmexpedition durch Belgisch-Kongo, Uganda, Kenia und Tanganjika.

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Kein Platz für wilde Tiere erscheint 1956 gerade rechtzeitig zu den Filmfestspielen in Berlin. Dort gewinnt er – zur Überraschung der Kritiker – nicht nur den goldenen Bären für den besten Film, sondern auch den Publikumspreis.

Der Film erzählt die fiktive Liebesgeschichte zwischen Kasimo und Epini, zwei Pygmäen vom Stamm der Mbuti, die in einem der letzten Naturparadiese dieser Erde leben. Doch das animierte Filmintro zeigt eine düstere Zukunftsvision des Planeten Erde.

Darin laugt der Mensch auf der Suche nach Nahrung die Welt aus, in der er lebt; Industrialisierung und das Bevölkerungswachstum bedrohen laut Bernhard Grzimek die letzten Paradiese der Erde. „Die Natur wird immer mehr zurückgedrängt. Selbst dort, wo sich einige der letzten Naturreservate unserer Erde befinde, in Afrika, entstehen immer mehr Städte, Straßen, Eisenbahnen. Die letzten Paradiese werden eingekreist“, so Grzimek.

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Im Oktober 1956, nur wenige Monate nach der Kinopremiere, läuft im Hessischen Rundfunk die erste Tiersendung im Deutschen Fernsehen: "Ein Platz für Tiere" moderiert von Bernhard Grzimek.

Während Grzimek um Aufklärung und Seriösität bemüht ist, sorgen seine tierischen Begleiter stets für eine Überraschung. Nicht nur beim Publikum zu Hause, sondern auch im Studio.

Die Sendung erreicht schnell Spitzenquoten und wird zum Fernsehereignis für die ganze Familie.

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Insgesamt entstehen 175 Folgen. Grzimek tritt als netter Fernsehonkel auf und zu jeder Sendung begleitet ihn ein Tier aus dem Frankfurter Zoo. Aber er will mit seiner Sendung nicht nur unterhalten und aufklären, er will das Wohl der Tiere verbessern.

Er ist einer der Ersten, der öffentlichkeitswirksam das Tragen von Tierpelzen anprangert. Jahre später kritisiert er die Haltung von Hühnern in Legebatterien.

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1962 richtet Grzimek das Spendenkonto "Hilfe für die bedrohte Tierwelt" ein, auf das er fortan am Ende seiner Fernsehsendung hinweist.

Die Spenden und Vermächtnisse werden eingesetzt, um weltweit Naturschutzprojekte zu unterstützen.

2001 entsteht aus dem Spendenkonto eine der größten Naturschutzstiftungen Europas: Hilfe für die bedrohte Tierwelt

Die Stiftung wird von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt verwaltet und die Beträge fließen bis heute ausschließlich in Natur- und Artenschutzprojekte.

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Die Erlöse des ersten Kinofilms "Kein Platz für wilde Tiere" wollen die Grzimeks in ein Tierschutz-Reservat in Tanganjika investieren, das damals noch unter britischer Verwaltung steht.

Doch Colonel Peter Molloy, Nationalparkdirektor in Tanganjika, hat einen anderen Vorschlag. Bernhard und Michael Grzimek sollen ihr Geld dafür einsetzen, die Wanderung der großen Tierherden in der Serengeti zu erforschen.

Zu dieser Zeit werden neue Grenzen für die Serengeti diskutiert und die Grzimeks sollen feststellen, ob die Tierherden innerhalb der neuen Grenzen wandern.

Für Michael Grzimek ist schnell klar: Für diese Studie benötigt man ein Flugzeug.

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Ohne zu zögern lernen Michael und Bernhard Grzimek fliegen und starten die wahrscheinlich aufwändigste Tierzählung dieser Zeit.

Ihre Arbeit hat weitreichenden Einfluss auf die Bekanntheit der Serengeti, denn die Filmkamera läuft immer mit.

Aus dem Filmmaterial entsteht ihr zweiter Kinofilm "Die Serengeti darf nicht sterben". Der Film wird ein Kinohit und erhält bei den 32. Academy Awards im April 1960 einen Oscar als bester Dokumentarfilm.

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Die Forschungsarbeit und Filmaufnahmen in der Serengeti fordern Menschen und Material. Zweimal kommt es während der zahlreichen Flüge zu Pannen, die glimpflich enden.

Am 10. Januar 1959 kollidiert die Dornier mit der Kennung 'ENTE' mit einem Gänsegeier und stürzt über der Serengeti ab. Michael Grzimek, als Einziger an Bord, überlebt den Absturz nicht.

Bernhard Grzimek verliert seinen engsten Verbündeten und Mitstreiter. 

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Naturschutz steht für Bernhard Grzimek über Politik und er scheut sich nicht, seine Überzeugung bei Staatsmännern zu vertreten. Dafür trifft er sich auch mit Diktatoren wie Idi Amin und Joseph Mobutu.

Verhandlungsgeschick, Fleiß und sein starker Wille bringen Ihn häufig ans Ziel - Diplomatie ist dabei nicht immer im Spiel.

Mit den Spendengeldern aus Deutschland unterstützt Grzimek Nationalparks, finanziert Rangergehälter und Aufklärungskampagnen zum Naturschutz.

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1960 trifft Bernhard Grzimek zum ersten Mal Julius Nyerere, den späteren Präsidenten von Tansania.

Grzimek überzeugt Nyerere, dass zahlreiche zahlungskräftige Touristen Tansania besuchen werden, solange es den außergewöhnlichen Reichtum an exotischen Tieren zu bewundern gibt. Obwohl zu dieser Zeit noch keine Reisen in die afrikanischen Schutzgebiete buchbar sind, macht Grzimek in seiner Fernsehsendung kräftig dafür Werbung.

Die Nachfrage regelt den Markt und schon bald bieten Reisebüros in Zusammenarbeit mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt Reisen in die Nationalparks von Uganda, Kenia und Tansania an.

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Dank seiner Gabe, Dinge gut delegieren zu können, schafft Grzimek das Arbeitspensum im Frankfurter Zoo, seine Arbeit beim Fernsehen und die Organisation der Naturschutzprojekte der ZGF.

Ende 1969 wird Grzimek zum Beauftragten für Naturschutz der Bundesregierung Deutschland ernannt und kämpft für ein bundesweites Naturschutzgesetz in Deutschland. Das Gesetz kommt - jedoch erst nach seiner Amtszeit.

Zudem wird er Mitbegründer des WWF Deutschland, des Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) und Präsident des Deutschen Naturschutzrings.

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Obwohl sich Grzimek öffentlichkeitswirksam für den Artenschutz einsetzt, ist er kein verklärter Tierliebhaber.

Er setzt sich dafür ein, den Natur- und Artenschutz mit wissenschaftlichen Erkentnissen zu fördern. Dafür entwirft er eigens die Berufsbezeichnung des "Biophylaktikers".

"Ich schlage vor, unter Biophylaxe wissenschaftliche Arbeit zu verstehen, welche alle Formen der belebten Natur für die Zukunft erhalten will."

Mit diesem Gedanken ist Grzimek seiner Zeit weit voraus.

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Bernhard Grzimek will Menschen davon überzeugen, dass die Natur- und Tierwelt einen unschätzbaren Wert für alle besitzt.

Die größte Gefahr für die Tiere, sieht er in der rasant wachsenden Weltbevölkerung: "Immer mehr Menschen leben auf der Erde. Unsere Enkel werden nur noch wenig von den Herrlichkeiten dieser Welt sehen."

Die Lebensräume der Tiere gilt es zu schützen: "Der Schutz der Gebiete in den Ursprungsländern der Tiere muss Vorrang haben, weil sonst der Artenschutz in Zoos sinnlos ist.

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Bis zu seinem Tod bleibt Grzimek Präsident der Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF).Dank Grzimeks Arbeit ist die einstige Fördergesellschaft des Zoo Frankfurt zu einer internationalen Naturschutzorganisation gewachsen.

Heute arbeitet die ZGF mit über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in etwa 30 Projekten daran, dass Schutzgebiete erhalten bleiben und bedrohte Arten nachhaltig geschützt werden.

Dabei fokussiert sich die ZGF weiterhin auf die Sicherung bedrohter Lebensräume und die Bekämpfung der Wilderei. Genau wie zu Grzimeks Zeiten.

Erkunden Sie die Projekte der Zoologischen Gesellschaft

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Bernhard Grzimeks Leben ist so vielfältig und ereignisreich, dass hier nur einige wenige Ausschnitte gezeigt werden können.

Das umfassendste Werk zur Person Bernhard Grzimek ist das von Claudia Sewig verfasste Buch Der Mann, der die Tiere liebte

Frühe Filmwerke von Michael und Bernhard Grzimek sind im Handel erhältlich. Bernhard & Michael Grzimek | Zoo- und Expeditionsfilme (DVD)

Die erfolgreichen Kinofilme gibt es auf DVD (bald auch in HD): Kein Platz für wilde Tiere / Serengeti darf nicht sterben (DVD)

Ausgewählte Episoden seiner erfolgreichen Fernsehsendung bietet die DVD-Box: Grzimek - Ein Platz für Tiere | Die Edition

Ebensfalls erhältlich ist die Autobiografie von Bernhard Grzimek: Auf den Menschen gekommen - Erfahrungen mit Menschen

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"Ein Tag im Frankfurter Zoo" entsteht 1951 als Stummfilm. Der Film zeigt einzelne Tierszenen und wird an Schulen in Hessen und Bayern gezeigt. Der damalige Filmvorführer und promovierter Biologe, Dietrich Heinemann, kommentiert die Vorführungen.

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Ein Film mit Ton und Sprecherkommentar, der die Frage stellt, ob Zoos wissenschaftliche Einrichtung sind. Neben beliebigen Tieraufnahmen aus dem Zoo, zeigt der Film auch Ausschnitte von Grzimeks Verhaltensforschung an Zootieren.

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Einer der seltenen Farbfilme aus dem Zoo Frankfurt aus dieser Zeit. Der Film begleitet einen Zoobesucher und stellt die Tiere vor. Er zeigt aber auch einen fast haustierähnlichen Umgang mit Tieren, die bereits stark an den Menschen gewöhnt sind.

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